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Achtung, hier spielt die Musik. Wir geben euch in dieser Rubrik
Kauftips für CDs und DVDs, die eurem Leben eine neue Note geben.
Wer sucht, der findet hier auch etwas über Musik allgemein.




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Silly + Gundermann & Seilschaft (1999)
Unplugged


Lable: Amiga
Genre: Ostrock


Ostrock, der tief unter die Haut geht!
Silly zählte zu den führendsten Rockbands der DDR und Gerhard Gundermann erreichte mit seinen Liedern ebenfalls Kultstatus im Osten.
Diese großartige Doppel-CD, die auch als Video erhältlich ist, ist ein Mitschnitt ihres gemeinsamen Konzerts am 22.11.1994 im Lindenpark in Potsdam, das insgesamt nur zweimal stattfand.
Mit den einfachsten technischen Mitteln spielen sie vor allem ihre bekannten Titel wie z.B. Bataillon d’Amour, Der 7te Samurai und Hurensöhne.
Die Songs, geprägt von Ehrlichkeit und Widerstand, sorgen für Gänsehaut und unheimlich gute Stimmung zugleich. Typisch: man muss zwischen den Zeilen lesen um die kritischen, fast ketzerischen Gedanken zu entdecken.
Tamara Danz, die Frontfrau von Silly beeindruckt mit ihrer manchmal sehr rauen, dann wieder sehr weichen und zärtlichen Stimme.

Ihre Kraft, nicht aufzugeben, weiterzukämpfen, auch wenn alle gegen einen sind, machte Tamara Danz, häufig auch die „Tina Turner des Ostens“ genannt, so besonders.
Bereits in den 70er Jahren verweigerte die einzige Plattenfirma der DDR ihr jede Erlaubnis zur Veröffentlichung mit der Begründung ihre Musik sei nicht staatstragend genug.
1988, als sich Tamara für die Bürgerbewegung „Neues Forum“ einsetzte, wurde Silly von den Behörden sogar verboten.
Der Zusammenbruch ihres Staates, dessen Führung sie so gehasst hat, war aber auch der Beginn ihrer eigenen Krise.
Anfangs noch stolz, mit Musikern wie Joe Cocker singen zu dürfen, merkten Silly jedoch bald wie brutal gerade in der Musikbranche die westlichen Marktgesetze sind.
Als erstes verwarf Ariola ihre Texte und es hieß, sie seien eben aus dem Osten und müssten noch viel lernen. Da packten sie ihre Gitarren wieder ein.
Doch plötzlich wollte sie selbst in ihrer Heimat niemand mehr hören, wo doch jetzt die großen Bands, die der Bevölkerung so lange verwehrt geblieben waren, in die Hallen kamen.
Es war wie der Beginn eines neuen Lebens.

Gundermann, ein engagiertes SED-Mitglied wollte mitmischen, etwas Eigenes leisten für die Realisierung der Utopie von Gleichheit, Miteinander und Solidarität. Konflikte mit den Vätern waren unvermeidbar. So kam es, dass sich ab Mitte der 80er seine Zukunftssicht verdunkelte: „Ich weiß nicht, ob ich noch warten kann, bis die Welt mich zählt."
Wie jede große Kunst sprechen seine Texte und Lieder nicht nur die unmittelbar geografisch-politischen Zeitgenossen an. Seine kraftvoll-sensiblen Interpretationen und vor allem seine poetische Genauigkeit ziehen jeden in den Bann.
In seinen Songs finden die eigenen Erfahrungen von Kraft und Gemeinschaftlichkeit, von Sehnsucht, Enttäuschung, Verzicht und von Hoffnung anerkannten Ausdruck.

Beide Musiker lebten jedoch viel zu kurz.
Tamara starb im Alter von 43 Jahren am 24. Juli 1996 an Krebs.
Gerhard Gundermann starb in der Nacht vom 20. zum 21. Juni 1998 an einem Gehirnschlag.

(simsalonaut@uni.de)

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